Ein Relaunch ist der Moment, in dem eine Website am meisten gewinnen — und am meisten verlieren kann. Der häufigste Fehler ist dabei kein gestalterischer, sondern ein technischer: Die alten Adressen führen ins Leere, und mit ihnen verschwinden Google-Positionen, die über Jahre aufgebaut wurden.
Diese Checkliste enthält die Punkte, die vor dem Umzug feststehen müssen. Nicht danach.
Vor dem Projekt
- Bestandsaufnahme aller vorhandenen Adressen. Nicht nur der Seiten, die Sie kennen — auch alte Beiträge, Kategorien und Anhänge. Die bestehende Sitemap und die Google Search Console sind die Quellen dafür.
- Welche Seiten bringen heute Zugriffe? Diese Seiten brauchen im neuen Auftritt eine Entsprechung. Sie ersatzlos zu streichen, kostet unmittelbar Sichtbarkeit.
- Welche Inhalte tragen, welche sind Ballast? Demo- und Vorlageninhalte, die nie ersetzt wurden, gehören konsequent weg — und zwar mit dem richtigen technischen Status.
- Ausgangswerte festhalten. Sichtbarkeit, Zugriffe und Anfragen vor dem Umzug dokumentieren. Ohne diese Zahlen lässt sich hinterher nicht beurteilen, ob der Relaunch gewirkt hat.
Während der Umsetzung
- Struktur vor Gestaltung. Welche Seite bedient welche Suchabsicht? Diese Zuordnung entscheidet über die spätere Auffindbarkeit und lässt sich nachträglich nur teuer ändern.
- Eine Weiterleitungsliste aufbauen. Jede alte Adresse bekommt eine neue Zieladresse — und zwar die inhaltlich passende, nicht pauschal die Startseite.
- Seiten, die verschwinden, richtig behandeln. Inhalte, die dauerhaft entfallen, sollten den Status 410 zurückgeben statt 404. Das signalisiert Google ausdrücklich „dauerhaft entfernt“ und führt zu einer schnelleren Bereinigung des Index.
- Die Testumgebung vor Indexierung schützen. Eine öffentlich erreichbare Vorschau kann als doppelter Inhalt im Index landen.
- Seitentitel und Beschreibungen einzeln schreiben. Automatisch erzeugte Texte sind eine vertane Gelegenheit — sie sind das, was Menschen im Google-Ergebnis lesen.
Am Tag des Umzugs
- Weiterleitungen aktiv, bevor die Domain umgestellt wird. Nicht danach. Diese Reihenfolge ist entscheidend.
- Jede Weiterleitung einzeln prüfen. Automatisiert, nicht stichprobenartig. Eine Kette aus mehreren Weiterleitungen hintereinander sollte aufgelöst werden.
- Neue Sitemap einreichen und die alte entfernen.
- robots.txt kontrollieren. Der häufigste Einzelfehler beim Relaunch ist eine Sperre, die aus der Testumgebung übernommen wurde und die gesamte Website aus dem Index hält.
- Messung prüfen. Läuft die Erfolgsmessung auf der neuen Seite? Werden Anfragen erfasst?
In den Wochen danach
- Fehlerberichte täglich ansehen. In den ersten zwei Wochen zeigen sich vergessene Adressen.
- Positionsschwankungen einordnen. Ein leichter Rückgang direkt nach dem Umzug ist normal, während Google die neue Struktur einliest. Anhaltende Verluste sind es nicht.
- Ladezeiten unter realen Bedingungen messen. Nicht im Büro-WLAN, sondern mobil.
Der Punkt, an dem es meistens schiefgeht
Nach unserer Erfahrung scheitern Relaunches selten am Design. Sie scheitern daran, dass die Weiterleitungsliste erst geschrieben wird, nachdem die neue Seite bereits online ist. Dann sind die alten Adressen bereits tot, Google hat sie als Fehler erfasst, und die Reparatur dauert länger als die Vorbereitung gedauert hätte.
Planen Sie diesen Schritt als festen Bestandteil des Projekts ein — nicht als Nacharbeit.